Liebe Leser:innen, ab und zu, wenn uns etwas wirklich wichtig ist, erlauben wir uns Euch außerhalb des monatlichen SOCIUS briefs einen Sonderbrief zu schicken. Und heute ist es wieder mal so weit.
Wir wollen Euch einladen zu unserer neuen Fortbildung: Konfliktkompetenz trainieren:
Gestaltkraft leben und Verbindung stärken
Gemeinsam mit Dr. Tanja Hetzer-Diallo vom Hanuman Institut haben wir dieses Angebot in die Welt gebracht, weil wir überzeugt sind, dass wir alle aktuell und in Zukunft gut daran tun, Konflikten in Arbeitssettings, Beziehungen und gesellschaftlich nicht auszuweichen, sondern sie zu gestalten und zu transformieren zu Gelegenheiten in denen Verbindung und Begegnung gestärkt werden können.
Wir kennen Tanja schon viele Jahre und schätzen ihre Arbeit als Supervisorin auf Basis der Prozessarbeit sehr. Deswegen sind wir so froh, dass sie mit SOCIUS zusammen ihre Kunst der Konfliktbearbeitung auf Grundlage der Prozessarbeit nach Amy und Arnold Mindell in diesen Lernraum bringt, und so uns und euch die Gelegenheit für dieses Training gibt.
Mit diesem Sonderbrief nutzen wir die Gelegenheit euch Tanja und ihre Arbeit vorzustellen und euch ein paar Einblicke in die Fortbildung zu geben. Wie immer freuen wir uns über Eure Rückmeldungen, Fragen und auch Anmeldungen! Nicola Kriesel Joana Ebbinghaus, Lysan Escher, Yi-Cong Lu, Andi Knoth, Hannah Kalhorn, Julia Hoffmann, Christian Baier und Denise Nörenberg |
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Wir haben Tanja zu ihrer Arbeit interviewt |
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| Tanja, Du sagst, Konflikte sind Momente, in denen Menschen sich neu begegnen. Was meinst du damit konkret?
Wenn ein Konflikt entsteht, ist etwas in unserer bisherigen Beziehung nicht mehr selbstverständlich. Beide erleben: So, wie es gerade ist, kann oder will ich es nicht lassen. Oder eine Person von beiden erkennt: So nicht. Ich möchte, dass sich der andere verändert, mich anders sieht oder mir etwas zugesteht – und mein Gegenüber möchte vermutlich ebenfalls dasselbe von mir.
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Dadurch begegnen wir uns neu: nicht mehr nur in unseren vertrauten Rollen, sondern mit Wünschen, Grenzen oder Seiten, die bisher keinen Raum hatten. Das ist oft zunächst unangenehm. Fast nie sagen beide Seiten: Schön, da ist eine wichtige Differenz. Schauen wir gemeinsam, was wir damit machen. Meist wollen wir erst einmal, dass der andere sich verändert. Genau darin liegt aber auch die Möglichkeit, einander und die Beziehung tiefer kennenzulernen.
Hast du ein Beispiel, ohne Namen zu nennen? In einer pädagogischen Organisation waren Leitung und Mitarbeitende über Jahre festgefahren. Die Leitung fühlte sich von den emotionalen Reaktionen nicht gesehen und nur angeschuldigt. Die Mitarbeitenden fühlten sich mit ihren Sorgen nicht gehört. Das war so eskaliert, dass schon Beschwerden auf Landesebene eingereicht wurden.
In den Workshops wurde sichtbar: Beide Seiten hatten wichtige Punkte – und beide übersahen etwas. Die Leitung musste lernen, Kommunikation bis zum wirklichen Verstehen in Beziehung zu begleiten. Die Mitarbeitenden mussten lernen, ihre Anliegen früher und direkter einzubringen, statt erst im fertigen Vorwurf damit aufzutreten und das hoch emotional und Opfer-identifiziert vorzubringen.
So konnten sie sich neu begegnen: nicht als Gegner:innen, sondern als Menschen mit unterschiedlichen Verantwortungen und einem gemeinsamen Anliegen. |
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Was unterscheidet für dich einen Konflikt, der destruktiv verläuft, von einem, der Verbindung stärkt?
Ein Konflikt wird destruktiv, wenn es nur noch darum geht, zu gewinnen, Recht zu behalten oder die andere Person kleinzumachen und auszuschließen. Dann werden Perspektiven enger, Macht wird verdeckt oder missbraucht und die Beteiligten verlieren ihre Fähigkeit, wirklich wahrzunehmen und zu handeln.
Ein Konflikt kann Verbindung stärken, wenn beide Seiten ihre eigene Position klar vertreten und trotzdem bereit |
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sind, die Wirklichkeit des Gegenübers wahrzunehmen. Verbindung bedeutet dabei nicht Harmonie und auch nicht, dass alle einer Meinung sein müssen. Es bedeutet, dass Unterschiede ausgesprochen werden können, Machtverhältnisse sichtbar werden und wieder Handlungsspielraum entsteht. Als Historikerin hast du zu Diversität und Antidiskriminierung geforscht – wie hat das deinen Blick auf Konflikte geprägt?
Ich habe als Wissenschaftlerin zum Zweiten Weltkrieg und zu Antisemitismus gearbeitet, außerdem zu Rassismus und Frauengeschichte. Das hat mich gelehrt, Konflikte nicht nur als persönliche Auseinandersetzungen zu verstehen. Oft wirken darin gesellschaftliche Machtverhältnisse, Institutionen und Normen mit.
Auch die transgenerationale Weitergabe von Erfahrungen und Verletzungen spielt für mich eine wichtige Rolle. Manche Konflikte beginnen nicht bei den beteiligten Personen, sondern haben eine viel längere Geschichte, die durch Familien, Institutionen und Gesellschaften weiterwirkt.
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Im Kurs geht es unter anderem um Rangdynamik. Was ist das für Menschen, die den Begriff noch nicht kennen?
Viele Menschen kennen den Begriff Hierarchie. In Organisationen gibt es dafür Organigramme, Stellenbeschreibungen und formale Zuständigkeiten. Rangdynamik meint aber mehr: Sie beschreibt, wer in einer konkreten Situation leichter Einfluss nehmen kann und wer sich eher anpassen, rechtfertigen oder zurückhalten muss. Dabei spielen viele situative Privilegien eine Rolle – zum Beispiel Wissen, Erfahrung, Sprache, |
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Selbstsicherheit, die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Mehrheit oder eine formale Leitungsposition.
Die eigenen Privilegien zu erkennen, ist ein wichtiger erster Schritt. Aber ich weiß dadurch noch nicht automatisch, wie es sich anfühlt, dieses Privileg nicht zu haben. Dafür muss ich zuhören, Beziehungen eingehen und bereit sein, andere Lebenswelten wahrzunehmen – auch wenn ich dabei erkenne, dass mein eigenes Verhalten ausgrenzend wirkt. |
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Die neun Schritte der Konfliktarbeit klingen sehr strukturiert – bleibt da Raum für das, was im Moment tatsächlich passiert? Ja, unbedingt. Die neun Schritte sind keine Checkliste, die ich in einer festen Reihenfolge abarbeite. Sie sind eher eine Landkarte für ein unübersichtliches Gelände.
Wenn ich in die Dynamik einer Konfliktbearbeitung eintauche, können sich Sachfragen, Gefühle, alte Verletzungen, Machtfragen und neue Reaktionen schnell miteinander vermischen. Wir können uns darin leicht verlieren oder den roten Faden verlieren. Oft sind mehrere Schritte gleichzeitig berührt, manchmal führt der Prozess auch zurück zu einer früheren Frage.
Gerade dann ist es hilfreich, eine Struktur zu haben. Sie gibt mir einen inneren Überblick und ermöglicht mir, immer wieder auf die Metaebene zu wechseln. Wo befinden wir uns gerade? Was ist schon berücksichtigt? Was fehlt noch? Und welcher nächste Schritt ist jetzt wichtig? Die Struktur gibt mir Halt – gerade damit ich offen bleiben kann für das, was im Moment tatsächlich geschieht. |
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| Tiefe Demokratie ist ein zentraler Begriff in deiner Arbeit. Was bedeutet das praktisch, wenn zwei Menschen im Raum unterschiedlich viel Macht haben? Tiefe Demokratie bedeutet für mich, offen und neugierig wahrzunehmen, was in einer Situation alles wirkt. Ich frage: Welche Perspektiven, Gefühle, Bedürfnisse und Machtverhältnisse sind bisher noch nicht berücksichtigt? Diese Offenheit bedeutet aber nicht, dass alles erlaubt ist oder alle Handlungen gleichwertig sind. Macht und Privilegien müssen klar benannt werden. |
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Bei Diskriminierung, Gewalt oder destruktivem Verhalten braucht es Grenzen und eine klare Positionierung. Ich muss wissen, wo ich stehe und wofür ich Verantwortung übernehme. Dazu gehört auch die Bereitschaft, mich selbst zu hinterfragen Tiefe Demokratie heißt deshalb für mich: möglichst viel wahrnehmen – und zugleich wach Verantwortung übernehmen. Es ist kein Freipass für „anything goes“.
Für wen ist dieser Kurs am ehesten ein Weckruf – und für wen eher eine Vertiefung von etwas, das schon da ist? Der Kurs kann für Menschen ein Weckruf sein, die Konflikten ausweichen, sich wegducken oder immer wieder in denselben Mustern landen. Er lädt dazu ein, wach und neugierig zu werden und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.
Für andere ist er eine Vertiefung. Sie arbeiten vielleicht schon bewusst mit Konflikten, möchten ihre Wahrnehmung schärfen, mehr Sicherheit bekommen und ihre Erfahrungen mit klaren Modellen und Interventionen verbinden. Beides darf in einer Gruppe zusammenkommen. Jede Person entscheidet selbst, wie tief sie sich einlässt und was sie von sich teilen möchte. Auch die unterschiedlichen Vorkenntnisse werden Teil des gemeinsamen Lernens. |
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Was können Teilnehmende nach den zwei Modulen, was sie vorher nicht konnten? Teilnehmende können lernen, gleichzeitig Konfliktpartei zu sein und den Konflikt von außen zu beobachten. Sie üben, die eigene Position klar wahrzunehmen und trotzdem neugierig auf die andere Seite zu bleiben.
Sie bekommen außerdem Orientierung für die Frage: Wo stecke ich gerade fest und was ist der nächste sinnvolle Schritt? Dabei geht es nicht darum, nach zwei Modulen alle Konflikte sicher zu beherrschen. Es geht darum, auch mitten im Konflikt einen Moment Abstand und Handlungsspielraum zu gewinnen. |
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Drei Dinge, die du wissen solltest |
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1. Es gibt noch Plätze – auch im Supported-Tarif (600€) 2. Early Bird für Kurs A läuft noch bis 30. September
Danach wird's teurer. Aber vor allem: Danach rückt das Training näher – und die Chance, dabei zu sein, wird kleiner.
3. Auch einige aus dem SOCIUS Team werden an der Fortbildung teilnehmen und freuen sich, mit Euch gemeinsam die Konfliktarbeit zu vertiefen.
4. Den Expertlevel Kurs bietet Tanja gemeinsam mit Kristina Loge an |
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| Modul 1 - Konfliktstruktur erfassen und Rangdynamik verstehen
- Eigene Position erkennen finden, halten und wandeln
- Konkurrenz um begrenzte Ressourcen sehen lernen
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Empathie fühlen ohne sich selbst zu verlieren
- Prozess- und ressourcenorientierten Blick schulen
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| Modul 2 -
Perspektivwechsel üben und Rollenflexibilität stärken
- schwierige Gefühle balancieren
- Metaperspektive etablieren und Ethische Haltung reflektieren
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Privilegien und Machtstrukturen reflektieren
- gewohnte Reflexe überwinden: Muckibude für neue Interventionen
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| Modul 3 - Arbeit mit systemischen Konflikten
- Mut sich bei Diskriminierung & Unrechtsgeschehen einzubringen
- Sicher und fluide durch Konflikt navigieren
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| Modul 4 -
Umgang mit destruktiven Kräften
- Meta-Skills und inneres Wachstum
- Essenz erkennen und nachhaltig transformieren
- Potential und Freiheit im Neubeginn: loslassen und leben
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Basislevel: Zwei Module á drei Tage, den Basislevel bieten wir identisch zu zwei unterschiedlichen Zeiten an
Kurs A: 5.bis 7. November 2026 und 21. bis 23. Januar 2027 Kurs B: 10. bis 12. Februar 2027 und 17 bis 19. März 2027 Expertlevel: Zwei Module á drei Tage bieten wir einmal an, für alle die an einem Kurs im Basislevel teilgenommen haben: Kurs: 14. bis 16. April 2027 und 26. bis 28. Mai 2027 |
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Wir bieten die Teilnahme am Konflikt Training zu einem gestaffelten Teilnahmebeitrag an: Frühbuchungspreis für den Basislevel Kurs A gilt bis zum 30.9.26: 1.300,00 € (für Basislevel Kurs B und Expertlevel gelten andere Fristen)
Als Selbstzahlerin kosten die Kurse regulär: 1.500,00 € In der Kategorie “Unterstützer:in & Corporate” bezahlst du: 1.700,00 €
Es gibt noch einen Platz für den ermäßigten Beitrag von 600,00 € Mit der Wahl deiner Kategorie trägst du dazu bei, das Training für Menschen aus unterschiedlichen Kontexten zugänglich zu machen.
Die Leistung ist nach § 4 Nr. 22 a) UStG von der Umsatzsteuer befreit. Außerdem kommen pro Kurs (= 6 Tage) noch 120,00€ Verpflegungskosten pro Person hinzu. Diese sind nicht umsatzsteuerbefreit. |
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